Hand-Reviews: So analysierst du deine Sessions
Wer seine Hände nach der Session in Ruhe durchgeht, erkennt Fehler, die am Tisch untergehen. Eine praktische Anleitung in fünf Schritten – mit dem Fokus auf Entscheidungen statt auf Ergebnisse.


Am Tisch bleibt wenig Zeit zum Nachdenken. Eine Entscheidung muss in Sekunden fallen, und die nächste Hand wartet schon. Umso wertvoller ist der ruhige Blick danach: Ein gutes Hand-Review zeigt dir, wo du sicher entscheidest – und wo du dir selbst etwas vormachst.
Ergebnis und Entscheidung trennen
Der häufigste Fehler beim Analysieren heißt im Pokerjargon Resulting: Eine Entscheidung wird danach beurteilt, ob die Hand gewonnen oder verloren wurde. Doch ein richtiger Call kann verlieren und ein falscher gewinnen. Die entscheidende Frage lautet deshalb immer: War die Entscheidung mit den Informationen, die du in diesem Moment hattest, nachvollziehbar und sinnvoll?
Bewerte deine Entscheidungen, nicht deine Ergebnisse.
Die richtigen Hände auswählen
Du musst nicht jede Hand einer Session analysieren. Konzentriere dich auf die Hände, in denen du wirklich nachdenken musstest, zum Beispiel:
- Große Pots – egal, ob gewonnen oder verloren
- Situationen, in denen du lange gezögert hast
- Hände gegen Gegner, die du nicht einschätzen konntest
- Wiederkehrende Spots, etwa Entscheidungen aus den Blinds
Viele Poker-Programme speichern einen Handverlauf, den du nach der Session aufrufen kannst. Markiere interessante Hände am besten schon am Tisch mit einer kurzen Notiz, damit du sie später schnell wiederfindest.
In fünf Schritten durch die Hand
- Ausgangslage notieren: Position, Stackgrößen und was du über deine Gegner wusstest.
- Vor dem Flop: War die Hand aus dieser Position spielbar, und passte die Einsatzhöhe?
- Setzrunde für Setzrunde: Welche Hände hält dein Gegner nach seinen Aktionen realistischerweise? Denke in Ranges statt in einer einzigen Hand.
- Nachrechnen: Passen Pot Odds und Outs zu deiner Entscheidung?
- Alternativen prüfen: Wäre Check, Call, Raise oder Fold besser gewesen – und warum?
Ein Beispiel: Am River callst du einen großen Einsatz mit einem mittleren Paar und verlierst. Statt dich über das Ergebnis zu ärgern, fragst du dich: Mit welchen schwächeren Händen oder Bluffs könnte mein Gegner hier so gespielt haben? Fallen dir kaum welche ein, war der Call vermutlich zu optimistisch – ganz unabhängig davon, welche Karten am Ende aufgedeckt wurden.
Aus Reviews eine Routine machen
Ein einzelnes Review bringt wenig, eine feste Routine dagegen viel. Oft genügt schon eine halbe Stunde pro Woche, um wiederkehrende Muster zu erkennen. Plane die Analyse als eigenen Termin und nicht direkt nach einer frustrierenden Session – dann bist du selten objektiv. Halte deine Erkenntnisse schriftlich fest und fasse sie zu wenigen, konkreten Leitsätzen zusammen, etwa „Aus dem Small Blind seltener mitgehen“.
Hilfreich ist auch der Austausch mit anderen: Wer eine Hand erklären muss, merkt schnell, wo die eigene Begründung dünn ist. So wird jede Session zu einem kleinen Lernschritt, ganz gleich, wie sie ausgegangen ist.
